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NEWSLETTER Q2/2020

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

 

A, B, C oder D? Vor über zwei Jahrzehnten wurden die deutschen Städte in diese vier Kategorien eingeteilt – und nach wie vor hält die Immobilienbranche an dieser Kategorisierung fest. Genauso etabliert wie die Definition selbst sind auch die Attribute, die wir mit diesen Buchstaben verbinden. A-Städte sind demzufolge sehr liquide, bieten aber wenig Rendite und erst recht keine Möglichkeiten, zu günstigen Konditionen anzukaufen. B- und C-Städte hingegen gelten – je nach Narrativ – entweder als besonders aussichtsreich für renditeorientierte Investoren oder aber als zu gefährlich und intransparent.

Aber wie zeitgemäß ist diese Untergliederung noch? Unsere Zugänge zu den Immobilienmärkten haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert, und auch die Mittel der Marktanalyse sind um ein Vielfaches genauer geworden. Immer öfter zeigt sich, dass eigentlich kontraintuitive Annahmen die Marktrealität prägen: Anfang des Jahres hat eine von uns auf Smart-Data-Basis durchgeführte Analyse beispielsweise ergeben, dass die größten Unterbewertungspotenziale für Wohnungen in einigen der A-Städte wie Berlin, Frankfurt am Main oder Stuttgart vorhanden sind – und nicht etwa in den Landeshauptstädten wie Hannover oder Dresden, die zu den typischen B-Städten zählen.

Wie stark das A-B-C-D-Schema und die dazu geläufigen Aussagen mit der aktuellen Marktrealität für Büroimmobilien übereinstimmen, steht im Fokus der aktuellen Ausgabe von Data.Driven. Neben unseren eigenen Analysen stellen wir zudem die beeindruckende Arbeit zweier Studenten der Immobilienakademie IREBS vor, die auf Basis unserer Daten attraktive Ansiedlungsstandorte für Start-ups identifiziert haben. Für mich beweist diese Kooperation einmal mehr, dass der Ausspruch der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach aus dem 19. Jahrhundert heute, im Digitalzeitalter, gültiger ist denn je: „Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.“

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre

Ihr Herwig Teufelsdorfer

LEITARTIKEL

 

Die Renditen für deutsche Büroimmobilien sind auf einem historischen Tiefstand – darin sind sich sämtliche Akteure der Immobilienbranche einig. Unseren Erhebungen zufolge hat Berlin als erste Metropole sogar die Grenze von drei Prozent bereits unterschritten. Aktuell rentieren Berliner Büroobjekte im Schnitt bei 2,75 Prozent. Hamburg und München liegen mit 3,01 Prozent beziehungsweise 3,14 Prozent nur knapp über diesem Schwellenwert. Auch in Hannover und Münster, die gemäß der bekannten Bulwiengesa-Definition als typische B-Städte gelten, gehen die Renditen tendenziell zurück und befinden sich unseren Erhebungen zufolge aktuell bei 4,15 respektive 4,20 Prozent.

Aber was bedeutet dies für die Chancen und Risiken, die sich aktuell bei einem Markteinstieg ergeben? Und entsprechen, abgesehen von den Renditen, auch die anderen Standortkriterien im Bürosegment unserer klassischen Vorstellung von A- und B-Standorten? Um dies herauszufinden, haben wir sämtliche Datenkacheln der 21 wichtigsten Märkte genau analysiert.

Die reine Anzahl an unterbewerteten Datenkacheln beziehungsweise Mikrostandorten bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die entsprechenden Unterbewertungspotenziale unbedingt sehr groß ausgeprägt sein müssen. In Frankfurt am Main beispielsweise sind zwar nur 1,24 Prozent der insgesamt über 3.300 Kacheln potenziell unterbewertet – das durchschnittliche Unterbewertungspotenzial liegt jedoch bei immerhin 25,91 Prozent. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich unter anderem in Leipzig oder – noch ausgeprägter – in Bremen, wo zwar nur 0,02 Prozent der Kacheln potenziell unterbewertet sind, diese jedoch um durchschnittlich 47,42 Prozent. Daran wird deutlich, wie chirurgisch Investoren in einigen deutschen Büroimmobilienmärkten vorgehen und dass sie die exakt passenden Mikrolagen identifizieren müssen, um ein Investment mit potenziell stark überdurchschnittlicher Performanceentwicklung tätigen zu können. Zudem müssen in jedem Einzelfall mögliche externe Ereignisse beziehungsweise Einflussfaktoren identifiziert werden, die für andere Ergebnisse als die hier präsentierten sorgen können.

ÜBERHITZUNGSTENDENZEN TREFFEN AUF DEUTLICHE UNTERBEWERTUNGSPOTENZIALE

Trotz der geringen Anfangsrenditen und der hohen Kaufpreisniveaus existieren die größten Überhitzungstendenzen in kleineren Büromärkten wie Wiesbaden, Nürnberg, Mannheim oder Dresden. Erst auf dem fünften Platz folgt mit Frankfurt am Main die erste deutsche Metropole. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr hohen Preisniveaus mag es nicht verwundern, dass unterbewertete Lagen – auch im direkten Vergleich mit den Wohnungsmärkten – nur sehr begrenzt vorhanden sind. Lediglich acht der 21 von uns analysierten Städte weisen überhaupt Kacheln auf, die gemessen am realistischen Marktpreis zu mehr als fünf Prozent potenziell unterbewertet sind. Spitzenreiter sind Berlin sowie die „typische“ B-Stadt Münster mit einem Unterbewertungsanteil von 7,97 beziehungsweise 6,04 Prozent.

Die reine Anzahl an unterbewerteten Datenkacheln beziehungsweise Mikrostandorten bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die entsprechenden Unterbewertungspotenziale unbedingt sehr groß ausgeprägt sein müssen. In Frankfurt am Main beispielsweise sind zwar nur 1,24 Prozent der insgesamt über 3.300 Kacheln potenziell unterbewertet – das durchschnittliche Unterbewertungspotenzial liegt jedoch bei immerhin 25,91 Prozent. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich unter anderem in Leipzig oder – noch ausgeprägter – in Bremen, wo zwar nur 0,02 Prozent der Kacheln potenziell unterbewertet sind, diese jedoch um durchschnittlich 47,42 Prozent. Daran wird deutlich, wie chirurgisch Investoren in einigen deutschen Büroimmobilienmärkten vorgehen und dass sie die exakt passenden Mikrolagen identifizieren müssen, um ein Investment mit potenziell stark überdurchschnittlicher Performanceentwicklung tätigen zu können. Zudem müssen in jedem Einzelfall mögliche externe Ereignisse beziehungsweise Einflussfaktoren identifiziert werden, die für andere Ergebnisse als die hier präsentierten sorgen können.

In welchem Verhältnis Unterbewertungspotenziale und Wertzuwächse zu einander stehen, zeigen wir Ihnen hier.

ES KOMMT AUF DIE EIGENEN KRITERIEN AN

Unsere Analyse der 21 ausgewählten deutschen Büroimmobilienmärkte zeigt vor allem eines: Je nach Investmentstil und Businessplan kommen im Segment der Büroimmobilien völlig unterschiedliche deutsche Städte für einen Markteinstieg infrage: Wer sich mit geringen Anfangsrenditen zufriedengibt, aber langfristig auf Wertentwicklung setzt, sollte sich verstärkt auf die passenden Mikrolagen in Berlin oder Frankfurt am Main konzentrieren. Wer hingegen unter dem Gesichtspunkt eines gleich zu Anfang robusten Cashflows investieren will, könnte entweder in Dresden oder in Münster werden.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, das eigene Aktiendepot mit Immobilienwerten abzusichern: Wer vor allem im Hinblick auf das Hedgingpotenzial einzelner Lagen investiert, ist mit einer Immobilie oder einem Portfolio in Münster, München oder Dortmund gut bedient. Dort zeigt sich eine positive Entwicklung der Immobilienpreise auch in Phasen fallender DAX-Werte. Städte wie Hannover oder Karlsruhe hingegen besitzen wenige oder keinerlei Datenkacheln mit Hedgingpotenzial.

EIN QUERSCHNITT AUS ALLEN KATEGORIEN: DIE INVESTMENTATTRAKTIVITÄT

Aber welches Bild ergibt sich, wenn alle Aspekte gewichtet und zueinander in Bezug gesetzt werden? Um dies zu ermitteln, haben wir einen Übersichtswert für die Investitionsattraktivität jeder einzelnen Stadt gebildet. Das Ergebnis: Vor allem einige der klassischen A- und B-Städte sind hinsichtlich der Standortfaktoren für Büroinvestments kaum bis gar nicht attraktiv. Dazu gehören unter anderem Hamburg, Köln und Stuttgart, aber auch die sogenannte Königin der B-Städte Hannover. Dies bedeutet aber nicht, dass von Investments grundsätzlich abzuraten ist, es kommt allerdings stark auf die Mikrolage und den jeweiligen Einzelfall an. Spitzenreiter in Sachen Investmentattraktivität sind hingegen Münster, gefolgt von Berlin, – mit einigem Abstand – Leipzig, Frankfurt am Main und Dortmund. Und das, obwohl sich die jeweiligen Renditeniveaus – wie eingangs erwähnt – deutlich voneinander unterscheiden.

FAZIT: ABCD WAR GESTERN

Unsere Analyse der Büromärkte zeigt, dass die Attribute, die in der Branche klassischerweise mit A- oder B-Städten verbunden werden, größtenteils nicht zutreffen. Es stimmt zwar, dass in den größeren Märkten ein stärkerer Renditedruck herrscht. Jedoch zeigen sich keine

grundsätzlich höheren Wertsteigerungspotenziale in den kleineren oder zusätzliche Sicherheitsfaktoren in den größeren Büromärkten – ganz im Gegenteil. Vielmehr wird deutlich, wie unterschiedlich die Marktlage für eigentlich vergleichbare Städte tatsächlich ausfällt.

Besonders zeigt sich dieser Fakt im direkten Vergleich der Städte Münster und Mannheim. Beide gelten als B-Städte und verfügen in etwa über dieselbe Einwohnerzahl. Und doch gehört Münster zu den potenziell attraktivsten deutschen Standorten für Büroinvestments, während Mannheim eines der Schlusslichter darstellt und über keinerlei Unterbewertungspotenziale verfügt. Anstatt an weitgehend überkommenen Narrativen und „Investment-Regeln“ festzuhalten, ist es daher für die Branche wichtig, die individuellen Potenziale und Gefahren der einzelnen Städte und ihrer Mikrolagen zukünftig noch detaillierter zu analysieren.

EXPERTENINTERVIEW

 

In seiner langjährigen Karriere hat Joachim Schoss nicht nur mehrere Unternehmen erfolgreich gegründet, sondern auch den Weg zahlreicher Start-ups mitverfolgt. Im Interview erklärt er, welche Faktoren für Digitalunternehmen im Immobiliensegment über Erfolg oder Scheitern entscheiden.

Herr Schoss, was sind die häufigsten Gründe dafür, dass junge Digitalunternehmen speziell mit Immobilienbezug scheitern?

Es gibt für alle Start-ups drei typische Problemfelder. Das erste besteht darin, dass viele Gründerteams entweder nicht ausreichend divers und damit für die verschiedenen Herausforderungen nicht ausreichend gerüstet sind – oder aber die Diversität im Team zu internen Konflikten führt, was ein produktives Arbeiten erschweren kann. Das ideale Startup-Team besteht aus einem mitreißenden Visionär, einem zuverlässigen Perfektionisten und einem empathischen Teamplayer, der diese beiden konträren Typen zusammenhalten kann. Zweitens können bei falschen Erwartungen Produkt- und Geschäftsentwicklung zum Scheitern führen. Speziell im Immobilienbereich werden immer wieder Angebote entwickelt, die nicht bedarfsgerecht sind. Außerdem überschätzen einige PropTechs – Digital-Startups mit Immobilienschwerpunkt – die grundsätzliche Veränderungsbereitschaft innerhalb der Branche. Im B2B wird oft die Veränderungsgeschwindigkeit überschätzt, im B2C werden die Kosten der Kundengewinnung gern

unterschätzt. Das dritte große Problemfeld bezieht sich auf die Finanzierung: Eine mangelhafte Kapitalausstattung beziehungsweise die fehlende Unterstützung durch Gesellschafter und andere Investoren hat schon dem einen oder anderen Start-up ein zu frühes Ende bereitet.

 

Stichwort Produkt: Welche Anzeichen gibt es dafür, dass sich das eigene Geschäftsmodell langfristig durchsetzen kann?

Wichtig ist, nicht nur auf die jetzige oder im schlimmsten Fall auf die historische Bedarfssituation zu schauen. Bereits bei der Angebotsentwicklung muss die Frage gestellt werden, ob der eigene Ansatz auch noch in zehn Jahren Nachfrage generieren wird. Oder noch besser: Ob Sie sicher sein können, dass das eigene Angebot in dem betreffenden Marktsegment nicht mehr wegzudenken sein wird. Ist das der Fall, sollte sich das Unternehmen darauf fokussieren, der beste Anbieter in diesem Segment zu werden – beziehungsweise es zu bleiben. Diese Situation war damals bei ImmobilienScout24 gegeben, und sie ist es auch jetzt wieder bei der 21st Real Estate. Marktführerschaft ist auch deshalb wichtig, weil wir gerade erst am Anfang der Digitalisierung der Immobilienbranche stehen und die Zahl der Neugründungen noch weiter steigen wird, bevor die große Konsolidierungswelle kommt.

Was ist wichtiger für ein junges Digitalunternehmen – das passende Produkt oder die passenden Köpfe?

Natürlich bedarf es einer innovativen Produktidee, um erfolgreich zu sein. Wichtiger ist jedoch, ein kompetentes und motiviertes Team zu haben, das das eigene Angebot auch tatsächlich entlang der Marktbedürfnisse entwickelt. Ein gutes Team wird eine schlechte Idee schnell verwerfen und etwas Erfolgreiches schaffen, ein schlechtes Team wird auch mit der besten Idee wenig erreichen können. Neben Unternehmergeist, Managementfähigkeiten, IT-, Daten und Vertriebs-Spezialisten sind auch passende Gesellschafter von Vorteil, die im Idealfall nicht nur finanzielle, sondern auch inhaltliche Unterstützung liefern.

Welche Probleme können sich bei der Skalierung von digitalen Produkten ergeben?

Grundsätzlich können Unternehmen mit Technikschwerpunkt schneller wachsen als personen-fokussierte Geschäfte wie beispielsweise Kreativagenturen. Auch digitale Geschäftsmodelle lassen sich leichter skalieren als Offline-Businesses. Die Voraussetzungen für PropTechs sind also sehr gut. Darauf aufbauend sind zwei Punkte wichtig, um erfolgreich zu skalieren: Erstens sollte das zu skalierende Angebot so einfach wie möglich gehalten werden – Komplexität wird zum Hindernis bei der Skalierung. Zweitens darf die Fehlerquote nicht zu hoch sein. Wird zu früh skaliert, bevor das Angebot richtig passt, ist das Team irgendwann nur noch damit beschäftigt, an vielen Stellen gleichzeitig nachzuarbeiten. Wird zu spät skaliert, wird man vielleicht vom Wettbewerb überholt. Die richtige Skalierungsgeschwindigkeit bleibt also immer eine spannende Gratwanderung.

Für Start-ups gilt das dritte Jahr oft als das entscheidende. Warum ist das so?

Irgendwann schlägt für jedes Start-up die Stunde der Wahrheit, visionäre Hoffnungen werden irgendwann mit der langweiligen Realität konfrontiert. Dann muss sich zeigen, ob die Ideen der Gründer auch tatsächlich ihren Markt finden und langfristigen Erfolg haben können. Diese Zeit ist für Investoren, Gründer und Mitarbeiter oft besonders herausfordernd und weniger motivierend als die Startphase, die ja immer einen besonderen Zauber mit sich bringt.

PRAXISBEISPIEL

 

In keiner anderen deutschen Metropole sind Büroflächen so knapp wie in Berlin. Damit verbunden waren zuletzt deutliche Mietpreissteigerungen, die nicht nur etablierte Unternehmen vor Herausforderungen stellen. Gerade Start-ups benötigen nicht nur erschwingliche, sondern auch attraktive Büroflächen, damit sie junge, gut ausgebildete Kräfte anziehen können. Aber welche Kieze in Berlin bieten die günstigsten Voraussetzungen hierfür?

Genau dieser Frage sind die beiden Studenten Lukas Schoeps und Stefan Taubeneder mit der Unterstützung der 21st Real Estate GmbH nachgegangen: Bereits seit zwei Jahren arbeitet die Regensburger International Real Estate Business School (IREBS) mit unseren Data Scientists zusammen – dieses Mal im Seminar „Immobilienmarktforschung am Beispiel Berlin“ von Professor Dr. Tobias Just. Die Studierenden entwickeln Fragestellungen und Hypothesen, die sie anschließend auf Basis von Datenauswertungen durch 21st überprüfen. Erster Ansprechpartner auf Seiten von 21st ist dabei Senior Data Scientist Dr. Thorsten Martin.

ERSTER SCHRITT: DIE ANALYSE DER AKTUELLEN START-UP-STANDORTE

Im Mittelpunkt der Seminararbeit steht – neben einer umfassenden Analyse der Bestände an Coworking-Spaces in Berlin – eine Datenanalyse der wichtigsten Standortkriterien für Start-ups in Abgrenzung zu einer Stichprobe von kleineren und mittelgroßen Unternehmen (KMU). Dafür wurden insgesamt 105 Start-up- und KMU-Standorte beziehungsweise die dazugehörigen 21st-Datenkacheln analysiert und mehrmals mit zufällig ausgesuchten Datenkacheln aus Berlin verglichen. Dabei ging es in diesem ersten Schritt neben den Mietniveaus vor allem darum, die wichtigen sozioökonomischen Kriterien herauszuarbeiten.

Zwei wichtige Ergebnisse zeigten sich: Erstens sind im Vergleich von Start-ups und KMU für langfristige Ansiedlungen (also ohne die       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ZWEITER SCHRITT: DIE LOKALISIERUNG VON POTENZIALFLÄCHEN

Auf Basis dieser Zwischenergebnisse haben die Data Scientists von 21st Real Estate diejenigen Berliner Datenkacheln identifiziert, die für eine Ansiedlung grundsätzlich infrage kämen, weil sie den Score-Kriterien von Start-ups beziehungsweise KMU entsprechen.

Lässt man dabei die Miete außer Acht, zeigt sich, dass die entsprechenden Kacheln für Start-ups größtenteils in Mitte, Kreuzberg und   

Berücksichtigung von Coworking-Spaces) unterschiedliche Kriterien besonders wichtig. Beispielsweise spielt das lokale Kulturangebot für Start-ups eine deutlich größere Rolle. Zweitens zeigen sich Start-ups in Sachen Ansiedlungsfläche generell anspruchsvoller in Bezug auf innerstädtische Annehmllichkeiten als KMU, was sich anhand der höheren Durchschnitt-Scores in beinahe allen Kategorien herleiten lässt. Anhand einer logistischen Regression zeigt sich, dass Start-ups im Vergleich zu anderen Unternehmen offenbar gezielt diese attraktiven Lagen suchen, die hohe Score-Werte in den relevanten Kategorien bieten. Der soziale Status des jeweiligen Kiezes ist jedoch für beide Gruppen eher unwichtig und wirkt sich aufgrund der hohen Preise sogar eher negativ aus.

Die Ansprüche der Start-ups zeigen sich auch in einer Differenz bei den Mieten: Verglichen mit den KMU zahlen junge Gründer im Durchschnitt etwa zwei Euro pro Quadratmeter mehr. Dennoch liegt dieses Mietniveau für Start-ups unter dem Durchschnittswert für ganz Berlin.

Friedrichshain liegen. Sobald dies jedoch mit den obigen Mietniveaus gegengerechnet wird und nur „erschwingliche“ Lagen übrigbleiben, zeigen sich vor allem potenzielle Ansiedlungsflächen im Osten und Südosten Berlins.Der Bezirk Neukölln sticht – aufgrund seiner Nähe zu Friedrichshain und Kreuzberg – genauso hervor wie die Gebiete um die S-Bahn-Station Ostkreuz. In Alt-Treptow hingegen erschwert die mäßige öffentliche Anbindung die Ansiedlung von Start-ups. Für Dr. Thorsten Martin stellt die Seminararbeit einen beeindruckenden Beweis dar, wie die Kombination von Big und Smart Data in konkreten Ansiedlungsempfehlungen resultieren kann: „Nicht nur Start-ups können durch derartige Analysen eine wichtige Grundlage erhalten. Gerade für Immobilienentwickler und Bestandshalter stellt dies einen Anlass dar, ihr bestehendes Vermietungskonzept zu überprüfen und ihre Immobilienstrategie eventuell stärker auf junge Gründer auszurichten.“

ÜBER DEN TELLERRAND

 

Ein ellenlanger, gerader Bürotrakt mit Einzelbüros, weißen Wänden, Aktenschränken und einer traurigen Grünlilie am Ende des Flurs: Dass ein solches Arbeitsumfeld innovationsfeindlich ist und auf die Motivation der Mitarbeiter drückt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Seit Jahren werden daher Open-Space-Konzepte entwickelt, in denen die Mitarbeiter in kreativen Ideenaustausch geraten und jederzeit mobil auch einfach einmal den Arbeitsort wechseln können. Die Anhänger des sogenannten Biophilic Designs gehen noch einen entscheidenden Schritt weiter – und haben sich zum Ziel gesetzt, mehr Natur ins Büro zu bringen.

 

PSYCHISCHE ORIENTIERUNG

Das Ziel ist einfach: Es geht um die Wiederherstellung des Kontakts zur Natur, der zwischen Betonfassaden und Straßenlärm in unseren Metropolen zunehmend verlorengeht. Denn unsere Städte werden immer dichter: Den Vereinten Nationen zufolge werden im Jahr 2030 etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung in Megacitys leben und arbeiten. Als Gegenpol zur urbanen Prägung wächst zeitgleich der Wunsch nach mehr Natur im eigenen Alltag: Rauschende Blätter im Wind sollen nicht nur zum Wochenendausflug dazugehören, sondern eben auch zum Arbeitsalltag. Und frische, von Pflanzen gebildete Luft verbessert sowohl das Wohlbefinden als auch die Konzentration und Produktivität der Mitarbeiter.

Für die Büroräume bedeutet das explizit: Anstatt zweier Blumenkübel auf dem Schreibtisch werden im „Biophilic Office“ ganze Wände umgestaltet, mit echtem Grün sowie auch mit naturähnlichen, fließenden Texturen und Farben, die ein grünes Umfeld simulieren – denn auf das reagiert auch die Psyche des überzeugtesten Stadtmenschen positiv. In gemeinschaftlich genutzten Räumen lassen sich Materialien wie Holz oder Filz integrieren, Pflanzen können nicht nur aufgestellt, sondern auch an der Decke angebracht werden, um in Verbindung mit viel Tageslicht für eine natürliche Umgebung zu sorgen. Zudem schaffen klug aufgestellte Pflanzenkästen mehr Privatsphäre innerhalb eines Großraumbüros, ohne dass eine weiße Trennwand den Raum optisch verkleinert. Auch vor der Bürotür muss mit den Neuerungen nicht aufgehört werden: angelegte Mini-Wälder und Grünflächen auf der Dachterrasse dienen Mitarbeitern als Erholungsoase in der Mittagspause.

https://www.youtube.com/watch?v=QnN6GKAP37A

In den USA gehören namhafte Unternehmen zu den Vorreitern im Biophilic Design. Quelle: Bloomberg

 

EIN MODELL FÜR JEDES BÜRO?

Dass diese Veränderungen hin zu mehr Natürlichkeit funktionieren, belegen nicht nur unterschiedliche Studien. Vielmehr zeigen Pilotprojekte mittlerweile auch hierzulande ganz praktisch die Vorteile auf, so zum Beispiel das Learn und Innovation Center in München, das 2017 eröffnet wurde. Mit Papiervögeln im Workcafé, Filz in Formen des Waldes an der Wand und der Integration von Holz wird dort das Gefühl von stetiger Nähe zur Natur geschaffen.

Selbstverständlich ist es mit dem „Biophilic Design“ ähnlich wie mit den meisten anderen New-Work-Trends auch: Pilotprojekten wie diesem kommen zweifellos eine Vorbildfunktion zu. Aber werden sich in den nächsten Jahren deshalb alle Büros in Biotope verwandeln? Vielmehr geht es darum, die Ansätze hinter dem Konzept zu verinnerlichen und bei der Planung neuer Büroflächen die jeweils passenden Akzente für mehr Natürlichkeit zu setzen – in Abhängigkeit von Unternehmenskultur, architektonischen Voraussetzungen und Ausbaubudget.

ZU GUTER LETZT

 

Sei es aus ökologischer Überzeugung oder aufgrund der Warenqualität: Immer mehr Deutsche kaufen Lebensmittel aus nachhaltigem Anbau. Und weil sich für Städter der Ausflug zum Hofladen des nächsten Biobauern in der Mittagspause nur schwer realisieren lässt, expandieren Biosupermärkte wie Denn’s und Alnatura vor allem in den Ballungszentren immer weiter.

Dass in unserem Biomärkte-Ranking also die Metropolen die Datenkacheln mit der höchsten Dichte aufweisen, verwundert nicht. Auf dem ersten Platz liegt das Gebiet um den Eppendorfer Baum in Hamburg. Dort ist die Dichte von Biomärkten rund 37 Mal so hoch wie im deutschen Durchschnitt. Berlin ist gleich doppelt auf dem Siegerpodium – wobei der Oranienplatz im Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg das stadtinterne Duell knapp gegen den touristisch geprägten Kurfürstendamm gewinnt. Wer hingegen in München die Mittagspause mit effizientem „Bio-Shopping“ verbringen will, wird rund um den Elisabethplatz am schnellsten fündig. Dieser liegt deutschlandweit auf dem vierten Platz.

Wenn es so etwas wie den „Hidden Champion“ der Biomarktstandorte gibt, dann ist das die sächsische Landeshauptstadt. Am Dresdener Hauptbahnhof gibt es immerhin 22 Mal so viele Biosupermärkte wie im deutschen Durchschnitt. Das ist zwar signifikant weniger als in den Millionenstädten, dennoch dürften Anwohner und Durchreisende im Hinblick auf frisches Bio-Obst und -gemüse mehr als genug Auswahl haben.